„Die Kirche in Hirzenhain wird abgerissen!“

Stellen sie sich vor, es geht ein Gerücht herum: „Die Evangelische Kirche in Hirzenhain muss abgerissen werden.“ 4 Leute bekommen das Gerücht mit und jeder von ihnen erzählt es etwa 3 weiteren Personen am Tag weiter. Diese Personen erzählen es dann auch jeweils 3 Personen weiter. Das klingt erstmal wenig, aber warten sie mal ab.

Fangen wir mal an zu überlegen:

4 Leute geben die Nachricht an jeweils 3 weiter. Das ergibt 12 Leute. Am nächsten Tag haben diese es schon an 36 Leute weitererzählt. Und so weiter. Nach ungefähr einer Woche (in gut 7 Tagen also) wissen es alle Menschen in Hirzenhain und Simmersbach, nämlich gut 3000 Menschen. Schon mal ausprobiert?

Was denken sie, wie lange es dauert, bis es die ganze Welt weiß? (Wenn man davon ausgehen kann, dass man überall hin Kontakt hat.)

Eigentlich wurde dieser Artikel nicht dafür geschrieben, um zu überlegen wie schnell sich Gerüchte ausbreiten. Es geht vielmehr darum, wie schnell sich etwas, wie derzeit ein gefährlicher Virus, ausbreiten kann, wie er buchstäblich durch die Decke geht, wenn wir uns nicht an das halten, was uns dringend und zu unserer Gesundheit von verantwortungsbewussten Menschen empfohlen wird. Sonst verbreitet sich die Krankheit genau so schnell wie das Gerücht über den Abriss der Kirche. Nach nicht einmal 22 Tagen weiß es die ganze Welt und wir sind alle betroffen!!!

Liebe Leserin, lieber Leser!

Dieses Rechenbeispiel stammt von Benedikt Brück, Studierender der Mathematik. Und es ist – Gott sei Dank – nur ein Gerücht. Also bitte nicht weitersagen! Anmerkung: Wobei gerade dieser Hinweis oftmals die Gerüchteküche erst richtig zum Kochen bringt! Und ein Virus sehen wir übrigens genauso wenig wie ein Gerücht. Doch es hat ebenfalls verheerende Wirkungen, die kaum einzufangen sind.

Die „Rechenkünste“ meines Sohnes haben einen Vater, der keine bzw. kaum Ahnung von Mathematik hat, ziemlich wachgerüttelt und betroffen gemacht! Denn wir erleben als Gesellschaft, Gemeinden, in Familien und Nachbarschaften dieser Tage, wie in wenigen Wochen ein geregelter und strukturierter Alltag durch

eine Infektionsgefahr bestimmt ist. Durch ein Virus, das für die Betroffenen in vielerlei Hinsicht schmerzhaft zu spüren ist oder sogar tödliche Folgen hat, gerät vieles durcheinander. Leben ist nicht so sicher und selbstverständlich, wie es scheint.

Die aktuelle Situation bietet die Chance besser zu verstehen, wie sich die Menschen früher gefühlt haben müssen oder wie es in vielen Teilen dieser Welt – leider – immer noch ist. Sie hatten und haben mit vielen Gefahren, Nöten, Krankheiten und Unwägbarkeiten zu rechnen. Und sie konnten und können ihnen viel weniger Medizin, Medikamente und Planungssicherheit entgegensetzen. Deshalb stellte sich den Menschen frühere Jahrhunderte auch die Frage nach Gott oftmals und vielerorts intensiver, jedenfalls existenzieller. Glauben und Vertrauen bannen die Gefahren zwar nicht, doch er kann Anknüpfungspunkt und Anlass zu einer in Gott begründeten Hoffnung geben – in dieser Zeit für alle Ewigkeit.

Früher haben viele Menschen unter ihre Pläne gerne zwei Buchstaben gesetzt: C.J. Diese Abkürzung steht für “Conditio Jacobea”. Zu Deutsch: Die Bedingung des Jakobus. Das CJ geht auf den biblischen, neutestamentlichen Brief des Jakobus zurück. Der Briefschreiber warnt vor Selbstsicherheit und Hochmut, zugleich Verzweiflung, Angst und Sorgen. Er weiß und hat erfahren, mein Leben steht in Gottes Händen. Bei ihm bin ich geborgen und gut aufgehoben. Und so schließt er seine Gedanken ab mit der Bemerkung: „So Gott will und wir leben.“ (Jakobus 4,15) Das ist die Conditio Jacobea: eine demütige Einschränkung aller eigenen Pläne, Wünsche und Vorsätze sowie Vergewisserung in Gottes guten Willen. Dieses CJ ist weithin und längst aus der Mode gekommen, denn die Menschen haben sich zumindest in unserem Bereich der Welt ein Leben erkämpft und erarbeitet, das relativ verlässlich und berechenbar ist. Viele Gefahren und Widrigkeiten lassen sich heute bannen. Vieles lässt sich tatsächlich planen und funktioniert dann auch. Zumindest war das vor Corona so. Nun sieht die Welt mit einmal Mal anders aus, zerbrechlich, verwundbar, unübersichtlich. Wir merken, wir sind alle und ausnahmslos gefordert, verantwortungsvoll und gewissenhaft zu handeln, solidarisch zu sein und rücksichtsvoll miteinander umzugehen, in der Fastenzeit wirklich Verzicht zu üben und Einschränkungen anzuerkennen, vielleicht wieder neu ins Gebet zu kommen.

Was und wer bleibt? CJ! Wir leben, weil Jesus für uns gestorben und auferstanden ist. Verbreiten wir dieses gute und aufbauende Gerücht gerade in diesen Tagen und Wochen! Sagen Sie es bitte weiter!

 

Ihr / Euer

Michael Brück

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