Infobrief vom Dekanat an der Dill

Liebe Pfarrerinnen und Pfarrer,
liebe Vorsitzende und Mitglieder in den Kirchenvorständen,
liebe Mitarbeitende!

Heute, 29. April 2020, wurden seitens der Kirchenleitung und des Krisenstabes der EKHN sog. „Grundsätze zum Schutz der Gesundheit in gottesdienstlichen Versammlungen und Rahmenbedingungen für ein Infektionsschutz-Konzept vor Ort in der EKHN“ herausgegeben. Diese werden voraussichtlich in den kommenden Wochen immer wieder aktualisiert werden.

Hier gibt es nähere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen, Entscheidungen und de-ren Handhabung: https://www.ekhn.de/home.html und https://www.ekhn.de/service/massnahmen-gegen-corona.html.

Seitens des Ev. Dekanats an der Dill möchten wir darauf bezugnehmend auf einige Dinge besonders hinweisen, ergänzen, erläutern und empfehlen:

1. Es geht nur um gottesdienstliche Feiern in Kirchengebäuden. Veranstaltungen in Gemeindehäusern, Vereinsheimen o.ä. sind bis auf Weiteres nicht möglich.
2. Bei der Feier von Gottesdiensten in unseren Kirchen steht die Gesundheit und Sicherheit für die uns anvertrauten Menschen, die sich in unseren Gebäuden aufhalten, an oberster Stelle. Wir müssen alles uns Mögliche und Notwendige tun, um aufeinander zu achten und uns gegenseitig zu schützen.
3. Leitgedanke ist, den vorgeschriebenen und angemessenen Abstand zu halten und in über-schaubaren Gruppen zu feiern.
4. Die Zahl der zugelassenen Gottesdienstteilnehmer richtet sich nach der Zahl der Sitzplätze, die es unter Wahrung der Abstandsregeln gibt. Zudem müssen besondere Hygienevorschriften eingehalten werden.
5. Der Kirchenvorstand muss ein Konzept zum Infektionsschutz für das jeweilige Kirchen-gebäude erarbeiten und entscheidet auf dieser Grundlage, wann wieder zum Gottesdienst in der Kirche eingeladen wird. Die vor Ort getroffenen organisatorischen und baulichen Maßnahmen werden dokumentiert. Der Kirchenvorstand benennt zudem, welche Personen (Ordnungsdienst) in welchem Kirchenraum für die Einhaltung der Schutzmaßnahmen verantwortlich sind. Das erstellte Konzept ist Bestandteil des im Umlaufverfahren herbei-geführten und vereinbarten schriftlichen Beschlusses zur Abhaltung der Gottesdienste in der derzeit möglichen Form. Der KV der jeweiligen Gemeinde trägt die Verantwortung, übernimmt die Haftung und ist für die Einhaltung der Schutzmaßnahmen verantwortlich.
6. Die Möglichkeit, in den Kirchen oder an anderen Versammlungsorten Gottesdienste zu feiern, bedeutet keine Verpflichtung. Das Dekanat an der Dill empfiehlt ausdrücklich die entwickelten kreativen und innovativen Angebote der Kommunikation des Evangeliums weiterhin anzubieten und auszubauen, besonders auch für diejenigen, die (noch) nicht o-der nicht mehr zum Gottesdienst kommen wollen oder können. Wir danken für das große und großartige Engagement im Hinblick auf zeitgemäße, angemessene und schöne Gottesdienste in den modernen Medien und die Möglichkeit, Gottesdienste in medialer Gemeinschaft zu feiern (z.B. durch Streamingangebote, Online-Aufzeichnungen).
7. Kürzere Formen und vertraute Formate von Gottesdienste (Andachten) helfen, schritt-weise und angemessene Erfahrungen mit der neuen Gottesdienstsituation zu sammeln.
8. Jede Gemeinde muss vor Ort sorgfältig prüfen, ob sie unter den gegebenen Umständen Gottesdienste feiern kann und will.
9. Wir empfehlen, sich regional abzustimmen, solidarisch zu handeln und vielleicht nur an ausgewählten Orten und in zweckmäßigen Gebäuden oder in einem Prinzip der Rotation vorübergehend Gottesdienste für den Publikumsverkehr in einem Nachbarschaftsraum zu öffnen.
10. Menschen, die sog. Risikogruppen angehören, entscheiden aus freien Stücken und eigen-verantwortlich, ob und inwiefern sie an gottesdienstlichen Feiern zusammen mit anderen Menschen teilnehmen, diese mitgestalten bzw. sogar leiten. Auch hier ist eine kollegiale Abstimmung und gegenseitige Unterstützung sinnvoll. Es soll kein Druck ausgeübt wer-den, auch nicht unter Gemeinden oder innerhalb von Kirchenvorständen.
11. Das Dekanat soll informiert werden. Wir weisen darauf hin: Angesichts der angespannten personellen Situation kann es seitens des Dekanats an der Dill derzeit keine umfängliche Beratung geben. Wir bitten um Verständnis. Bei grundsätzlichen Fragen daher bitte an die Kirchenleitung oder den Krisenstab der EKHN wenden.

Checkliste zur Umsetzung. Für das Schutzkonzept der EKHN gelten folgende Grundsätze, Empfehlungen bzw. Rahmenbedingungen, die zum Infektionsschutz ergriffen und in Abständen an die jeweilige Situation angepasst werden :
1. Die Regeln müssen am Versammlungsort gut sichtbar über Aushänge öffentlich bekannt-gemacht werden.
2. Öffentliche Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen werden in Kirchen oder unter freiem Himmel gefeiert. Nur ausnahmsweise und unter Voraussetzung ihrer Eignung in sonstigen Gottesdiensträumen, beispielsweise Gemeindehäuser.
3. Die Teilnahme an Gottesdiensten wird auf eine den Abstandsregelungen entsprechende Höchstzahl von Personen beschränkt.
4. Hilfreich ist eine sichtbare Markierung der möglichen Sitzplätze, die nach allen Seiten einen durchgängigen Mindestabstand von 1,5 Metern sicherstellt. Personen, die in einem Hausstand leben, können nebeneinander sitzen.
5. Die Vermeidung von Warteschlangen, Wahrung des Abstands beim Betreten und Verlas-sen der Kirche und beim Aufsuchen der Plätze sowie Einhaltung der ermittelten Höchst-zahl an Personen wird durch geeignete Maßnahmen sichergestellt.
6. Die Kirchen sind vor, während und nach den Gottesdiensten gut durchzulüften.
7. Weitere Hygienemaßnahmen :
a. Das Tragen von Mund-Nase-Masken wird dringend empfohlen bzw. als selbstverständlich vorausgesetzt. Liturgisch handelnde Personen (i. d. R. ohne Maske) sollen ausrei-chenden Abstand zu anderen Personen halten. Empfehlung: mindestens 4 Meter.
b. Vom gemeinsamen Singen der Gemeinde, von Chören und Nutzung von Blasinstrumenten ist abzusehen. Sologesang in ausreichendem Abstand zu anderen Personen (Empfehlung: mindestens 4 Meter) oder mit Plexiglasschutz ist möglich.
c. Zum Mitverfolgen von Ablauf oder Texten sind Blätter möglich, die Projektion per Beamer wird – sofern möglich – empfohlen, Gesangbücher werden nicht genutzt.
d. Emporen werden nicht genutzt – mit Ausnahme von Mitwirkenden im Rahmen der musikalischen Gottesdienstbegleitung (Orgel).
e. Auf Körperkontakt wird verzichtet (kein Friedensgruß per Handschlag, keine Handauflegung zum Segen, keine Begrüßung oder Verabschiedung mit Handkontakt oder Umarmen etc.).
f. Die Kollekte wird nur am Ausgang kontaktlos gesammelt, also kein „Klingelbeutel“ wäh-rend des Gottesdienstes herumgehen lassen.
g. Nach jedem Gottesdienst werden Türgriffe, Handläufe, Oberflächen, Bänke und Sitzflä-chen desinfiziert.
h. Im Eingangsbereich der Kirche werden Desinfektionsmittel bereitgestellt. Waschbecken werden – wo möglich – zugänglich gemacht.
i. Eventuelle Infektionsketten sollen nachvollzogen werden können. Deshalb sind die Teil-nehmenden schriftlich zu dokumentieren.
j. Auf folgende Regelung in katholischen Kirchen weist das Bistum Limburg hin (gilt für ökumenische Veranstaltungen in kath. Kirchen): Wer Symptome einer Atemwegserkrankung aufweist oder Fieber hat, darf nicht teilnehmen. In diesen Fällen ist der Zutritt zum Kirchengebäude nicht gestattet. Im Zweifelsfall ist er zu verweigern.
8. Abendmahlsfeiern bergen besondere Infektionsrisiken. Von ihnen wird vorerst abgeraten. Sollte das Abendmahl dennoch gefeiert werden, sind besondere Hygienemaßnahmen zu beachten.
9. Die Durchführung von Kindergottesdiensten orientiert sich an der Öffnung von Kindertagesstätten und Schulen. Im Falle der Wiederaufnahme sind die entsprechende Regelungen zur Abstandswahrung und Hygiene festzulegen und einzuhalten. Ehrenamtlich Mit-arbeitende sind nicht zu überfordern.
10. Für Trauergottesdienste in Kirchen gelten die hygienischen Sicherheitsbestimmungen in Kirchen wie für die Gottesdienste. Die Trauerfeiern in Friedhofskapellen und Beerdigungen am Grab richten sich nach den Regelungen, die durch die zuständigen Behörden (Bürgermeister) vorgegeben sind.
11. Für Taufen und Trauungen gelten die gleichen Rahmenbedingungen. Es wird empfohlen, Taufen in der nächsten Zeit – ausnahmsweise – in eigenen Gottesdiensten zu feiern.
12. Für Konfirmationen, „Jubelfeiern“, Jubiläen, Ordinationen, Gemeindefeste, Festgottesdienste zu Einführungen oder Verabschiedungen bzw. andere besondere Gottesdienste gelten die gleichen Rahmenbedingungen wie für Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen. Die Form der Feiern muss an diese Rahmenbedingungen angepasst werden, sofern sich nicht eine (weitere) Verschiebung nahelegt. Auch hier kann das Streamen oder Aufzeichnen von Gottesdiensten eine mediale Teilnahme weiterer Personen ermöglichen.
13. Von der Möglichkeit, Sonn- und Feiertagsgottesdienste im Freien (z. B. Himmelfahrt und Pfingsten) zu feiern, kann unter Berücksichtigung der allgemeinen Abstands- und Hygienebestimmungen und unter Beachtung der Versammlungsbeschränkungen Gebrauch ge-macht werden.

Die Entscheidungen werden kurz vor einem arbeitsfreien staatlichen Feiertag (1. Mai) und dem Wochenanfang am Sonntag mitgeteilt. Damit verbunden sind umfangreiche Maßnahmen, viele praktische Überlegungen und tiefgreifende sowie weitreichende Entscheidungen vor Ort zu treffen. Auf die einzelnen Kirchenvorstände und v.a. auf die Personen, welche den Vorsitz im KV innehaben, kommt eine hohe Verantwortung zu.
Deshalb raten wir als leitende Personen im Evangelischen Dekanat an der Dill dringend dazu, von der Öffnung der kirchlichen Gebäude für Gottesdienste und zur Religionsausübung am 3. Mai 2020 abzusehen und frühestens den 10. Mai 2020 gut überlegt und vorsichtig in den Blick zu nehmen. Wir empfehlen das Pfingstfest 2020 als einen möglichen und geeigneten Termin zu bedenken. Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit (2. Timotheus 1,7).

Wir freuen uns, dass es unserem Dekan Roland Jaeckle den Umständen entsprechend gut geht, wie er heute geschrieben hat. Für die anstehende Therapie in den kommenden Wochen und Monaten wünschen wir ihm viel Kraft, Zuversicht und Gottes Segen.

Michael Brück, Kathleen Theis und Wolfgang Wörner
für das Ev. Dekanat an der Dill

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